Zusammenfassung:"Relevanz und Auswirkungen geschlechter- und altersspezifischer Einflussfaktoren auf die Akzeptanz telemedizinischer Verfahren aus Sicht von Patientinnen und Patienten"


Abstract

Telemedizin: Ja oder nein? Alter und Geschlecht als wesentliche Einflussfaktoren für die Akzeptanz telemedizinischer Verfahren bei Patientinnen und Patienten

Ein wichtiger Aspekt bei der Entwicklung und Etablierung telemedizinischer Anwendungen ist die Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Nutzerinnen und Nutzer. Um Nutzerorientierung in der Modellregion Telemedizin Ostwestfalen-Lippe (OWL) wissenschaftlich fundiert umsetzen zu können, hat das ZTG Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (Bochum) eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben.

Im Rahmen einer systematischen Recherche relevanter wissenschaftlicher Fachliteratur und der sogenannten „Grauen Literatur“ erstellte die Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld die Studie „Relevanz und Auswirkungen geschlechter- und altersspezifischer Einflussfaktoren auf die Akzeptanz telemedizinischer Verfahren aus Sicht von Patientinnen und Patienten“. Wesentliches Ergebnis des Berichtes ist, dass die Variablen „Alter“ und „Geschlecht“ diesbezüglich bislang zu wenig Beachtung gefunden haben. Beide beeinflussen die Akzeptanz telemedizinischer Leistungen sowohl direkt als auch insbesondere indirekt in erheblichem Maße. Durch die Identifikation bestehender Akzeptanzbarrieren können diese künftig bei der Entwicklung telemedizinischer Verfahren und der Umsetzung entsprechender Projekte verstärkt berücksichtigt werden.

Ein direkter Zusammenhang ist demnach zwischen der Variable „Alter“ und der Usability technischer Anwendungen festzustellen. Deutliche Effekte werden zudem in der indirekten Beziehung beobachtet. So beeinflusst die Generationszugehörigkeit, welche Vorstellungen jemand vom Umgang mit Technik hat. Das Alter eines Menschen hat darüber hinaus Einfluss darauf, wie der Nutzwert technischer Anwendungen beurteilt wird. So wird beispielsweise die Möglichkeit einer Versorgung im häuslichen Umfeld als positiv bewertet, während die Aspekte Datenschutz und Sicherheit eher kritisch gesehen werden. Diesen Ergebnissen zufolge müssen zum einen bei der zielgruppenspezifischen Aufklärung und zum anderen bei der Entwicklung und Anpassung von telemedizinischen Verfahren die Wünsche und Bedürfnisse der älteren Nutzerinnen und Nutzer berücksichtigt werden, z.B. intuitive Bedienbarkeit, Sicherheit und Kommunikation mit Angehörigen sowie regelmäßige Kontakte zu den behandelnden Ärztinnen und Ärzten als wichtiges Element technisch-gestützter Versorgung.

Im Gegensatz zu Männern scheinen Frauen eine sehr vielschichtige Einstellung zum Einsatz von Technik in der gesundheitlichen Versorgung zu haben. Frauen durchdenken sehr genau, welche Aspekte des Technikeinsatzes sie im Kontext ihrer individuellen Lebenssituation als positiv und negativ bewerten. Eine relevante Rolle bei dieser Beurteilung spielen z.B. Kostenaspekte sowie die Angst vor der Nicht-Beherrschbarkeit der Technik, vor Verletzungen der Privatsphäre sowie vor einem Rückgang direkter Kontakte mit Ärztinnen und Ärzten. Eine bedarfsgerechte Versorgung berücksichtigt nach Ansicht vieler Frauen u.a. die emotionale Unterstützung durch die Behandelnden, eine schnelle Erreichbarkeit der Versorgungsinstitutionen und eine Steigerung des Selbstwertgefühls. Untersuchungen zur geschlechterdifferenzierten Wahrnehmung und Beurteilung telemedizinischer Leistungen sind in der Wissenschaft bisher kaum erfolgt.

Zukünftig werden sich telemedizinische Leistungen nicht nur an den Faktoren Qualität und Effizienz, sondern immer häufiger auch an der Frage der Orientierung an Alter und Geschlecht der Nutzenden messen lassen.



Haben Sie Interesse an den ausführlichen Ergebnissen der Studie? Dann melden Sie sich bei uns!

ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH
Anne Wewer
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Autoren der ausführlichen Studie:
Prof. Dr. Claudia Hornberg
Christoph Dockweiler, MSc
Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld

Projektleitung:
Rainer Beckers
ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH, Bochum


 :: letzte Änderung: 30.04.2012